's Gsodloch

's Gsodloch
Oberpfälzer wirtshaus- und Tanzbodenmusik

30 Stücke, die auf keinem Volkstanz fehlen dürfen...
Sowohl als CD oder MC erhältlich!!!!

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CD-Inhalt:

1. Prinz Ludwig Marsch (Volksgut *)

2. 's Gsodloch (Zwiefacher **)

3. Schottisch 147 (**)

4. Da Finker (Zwiefacher **)

5. Polka 148 (**)

6. 's seidane Fürta (Zwiefacher **)

7. Schottisch 150 (**)

8. Landler 152 (**)

9. 's Waschblei (Zwiefacher *)

10. Rheinländer 151 (**)

11. Schelln Neuner (Zwiefacher **)

12. Schottisch 46 (*)

13. Walzer in As (**)

14. Polka 41 (*)

15. 's Bachmühlerl (Zwiefacher *)

16. Rehragout (*)

17. Da Tauberucku (Zwiefacher **)

18. Schottisch 130 (**)

19. Mazurka (**)

20. Regensburger Landwehrmarsch (Volksgut ***)

21. Da Münsterer (Zwiefacher *)

22. Landler 25 (*)

23. 's Lercherl (Zwiefacher *)

24. Jessas ham mir an Druscht (Volksgut **)

25. Polka 12 (*)

26. Da Habernvogl (Zwiefacher **)

27. Landler 22 (*)

28. Schottisch 139 (**)

29. Bayerischer Bauer (Zwiefacher **)

30. Dreher (**)

* Bearbeitung Dr. German Roßkopf          ** Bearbeitung Michael Roßkopf           *** Bearbeitung Dr. Erich Sepp

Einführung
"Tangrintel" ist die mittelalterliche Bezeichnung für die Jura-Hochebene zwischen Altmühl und Schwarzer Laber, in deren Zentrum die Stadt Hemau liegt. Dort bildeten sich im Jahre 1970 unter der Leitung des Apothekers und Ortsheimatpflegers Dr. German Roßkopf (t 1986) die Tanngrindler Musikanten als vierköpfige Volksmusikgruppe. Nach dem Tod des Grünters übernahmen Michael Roßkopf und ab 1992 Dr. Frieder Roßkopf die Leitung der Gruppe, die sich im Laufe der Jahre zu einer Acht-Mann Blaskapelle erweitert hat. Heute spielen bei den Tanngrindlern Rudi Weinzierl, Christian Wein (Klarinetten), Max Maag, Ludwig Götz (Trompeten), Dr. Frieder Roßkopf (Tenorhorn), Peter Biersack, Hans Heigl (Baßtrompeten) und Andreas Schmidt (Tuba). Sie alle verbindet die Freude am gemeinsamen Musizieren, der Oberpfàlzer Volksmusik und nicht zuletzt persönliche Freundschaften.
Blasmusik war bis in die 50iger Jahre ein fester Bestandteil des täglichen Lebens und begleitete ob auf dem Tanzboden, im Wirtshaus, zur Hochzeit oder zur Beerdigung die Menschen durchs Jahr. SO wollen die Tanngrindler die alten Melodien wie Schottisch, Walzer, Polka, Märsche und Baierische (Zwiefache) in ihrem angestammten Umfeld zum Klingen bringen. Beim Kirtatanz oder in der geselligen Wirtshausrunde fùhlen sie sich dabei mehr zu Hause als in der trockenen Atmosphäre einer Konzertbùhne. Ihr Repertoire entstammt zum größten Teil aus dem Spielgut der Hemauer Blaskapellen aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Damals gab es in Hemau die damalige Stadtkapelle unter Josef Binner (*1890,  t1972) und die "Neue Kapelle" des Albert Dürre (*1875, +1956). Von beiden Kapellen besitzen die Tanngrindler Datenbücher mit Klarinedenstimmen, deren Stücke von Dr. German Roßkopf und Michael Roßkopf entsprechend der alten Spielweise bearbeitet wurden. Zwiefache (Baierische) wurden von den alten Musikanten oft auswendig gespielt, daher sind die im Hemauer Raum aufgezeichneten Zwiefachen - und Volkstanzsammlungen von Hans Bicherl (1910) und dem Hemauer Schullehrer Otto Rammelmeier (um 1935) weitere wichtige Quellen.
Der langjährige Tubist der Tanngrindler Musikanten Josef Spanier (*1928) spielte selbst noch nach dem 2, Weltkrieg in der Kapelle Binner und ist so für die Spielweise der alten Musikanten ein wichtiger Gewährsmann.
Nach ihren beiden Schallplattenproduktionen, ,Da Blechhuher'' (1987) und, ,Da Tonloher'' (1990) wollen die Tanngrindler Musikanten anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens mit vor- liegender CD wiederum einen Querschnitt durch ihr umfangreiches Repertoire dokumentieren.
Allen Freunden der Oberpfälzer Wirtshaus - und Tanzbodenmusik wünschen wir mit dem ,,Gsodloch'' viel Freude beim Zuhören und Mittanzen.
Die Tanngrindler 

Gsodloch:
Früher wurde in der Landwirtschaft das Gsod (Getreideabputz) auf dem Boden aber den Stellungen für die Winterzeit als Viehfutter belagert und dann im Bedarfsfall durch das Gsodloch wieder nach unten befördert

Zum Geleit
Als mich der jetzige Leiter der achtköpfigen Blaskapelle "Tanngrindler Musikanten" aus Hemau, Dr. Frieder Roßkopf, bat auch die anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens geplante 3. Schallplatte volkskundlich und musikalisch zu betreuen, kam ich diesem Wunsch gerne nach und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens kenne ich dieses, heute weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus bekannte und hochgeschätzte Volksmusikensemble seit seiner Gründung im Jahr 1970 und war mit dem leider viel zu früh verstorbenen Initiator, Dr. German Roßkopf eng befreundet.
Zweitens gehören die Tanngrindler Musikanten zweifellos zu den besten Oberpfälzer Volksmusikanten, deren dezidierte Zielsetzung nicht die Pflege irgendeines und irgendwo aufgezeichneten Volksmusikgutes und die Vorführung einer aus allen ehemaligen Zusammenhängen gelösten instrumentalen Volksmusik auf der Bühne ist, sondern das bewußte Anknüpfen an die gerade noch erreichbare örtliche und regionale Tradition in Repertoire und Spielpraxis sowie die Wiederbelebung in ihrer ursprünglichem brauchtümlichen Funktion auf dem Tangrintl.
Diese "Philosophien volkstümlichen Singens, Musizierens und Tanzens versuchte ich während meiner 25-jàhrigen aktiven Amtszeit als Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz immer wieder zu propagieren, da ich nur in dieser Form der lebendigen Pflege (Ausübung) eine echte Chance für den Fortbestand authentischer, regionalspezifischer Volksmusik gesehen habe und sehe. In diesem Zusammenhang zählen die Tanngrindler Musikanten zu den Pionieren dieser Oberpfälzer Volksmusikrenaissance.
Natürlich hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles verändert im Vergleich zu den Lebensbedingungen und - Verhältnissen der sog. "Binner-Kapelle'' aus Hemau, dem Vorbild der Tanngrindler. (Zur Geschichte der Blaskapellen in Hemau, s. Michael Roßkopf: Von Türmern Schullehrern und Musikanten-Volksmusik in der Stadt Hemau, In: Landkreis Regensburg - Das große Heimatbuch der südlichen Oberpfalz, Buchverlag der Mittelbayerischen Zeitung, Regensburg 1994, S. 199-202). Die Zeiten haben sich ebenso wie die Gesellschaft und deren musikalische Ausdrucksformen und Bedürfnisse gewandelt.
Bestand die Binner-Kapelle noch vorwiegend aus Maurern und anderen Handwerkern, die auf den Zuerwerb durch das Musizieren insbesondere in der Winterzeit dringend angewiesen waren, um ihre Familien einigermaßen ernähren zu können, so sieht die Sozialstruktur der Tanngrindler Musikanten heute doch ganz anders aus: Sie bestehen aus einem Apotheker, Bankdirektor a.D., Hauptmann a.D., Schlossermeister, Elektrotechniker, Student, Zahnarzt und Instrumentenbaumeister. In erster Linie musizieren sie aus "Span ander Freud." und folgen weniger dem moralischen Auftrag zur Pflege. Der Nebenerwerb ist von untergeordneter Bedeutung. Aus Liebe und Begeisterung zu dieser Art einfacher Musik (bäuerlich-dörflicher Tanzboden - und Unterhaltungsmusik) spielen sie all den Menschen auf, die früher wie heute gerne "auf die Musi gehen", also bei Anlässen, wie Volkstanzveranstaltungen, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Kirchweihen, Hochzeiten. Aber auch in Kirchen, besonders wirrend der Adventszeit sowie - und dies sind neue Funktionen - bei Ausstellungseröffnungen Tagungen, empfingen etc. liefern die Tanngrindler die musikalische Umrahmung, wie dies anderswo je nach Charakter der öffentlichen oder privaten Veranstaltungen eine Jazz-Band oder eine Kammermusikbesetzung leistet.
Mit Sicherheit hat sich auch das Spielniveau gegenüber der Binner-Kapelle gewandelt und verbessert, bei der der Kapellmeister Josef Banner, Musiker, Maurer, Maler und Landwirt als wichtigste Parolen des Zusammenspiels ausgegeben hatte:, abfange tout da Lenzbauer (Es- Klarinette) und afhörn tou ma mitanand" ,schottisch ghören so schnell gspielt, daß's     reißn und das ma euerne Fehler niat so hört".
Das der Es-Klarinettist alleine begann, Ohne daß die anderen Musikanten wußten, welches Stück er eigentlich zum besten geben wollte, war eine weit verbreitete Musizierpraxis in der Oberpfalz. Man spielte und begleitete ja auswendig, d.h. aus dem Kopf! Wenn dann nicht zusammen eingesetzt wurde und der erste Takt nicht ganz so gut klappte, wie wir es heute von Rundfunk - und Plattenaufnahmen geweiht sind, empfand dies früher niemand als Tragödie. Bei der Tanzmusik waren und sind das mitreisen und Motivieren zum Tanzen eben weit wichtiger als allzeit perfekte Tone im Sinne klassischer Interpretationen. Dies weiß jeder Praktiker und Wissenschaftler, der sich mit den Gesetzen der Volksmusik intensiver befaßt hat.
Hier sind wir bei einem der größten Probleme bei Volksmusikaufnahmen angelangt, mit dem jede Laienmusikgruppe konfrontiert ist und stets zu Kempten hat: hier in der kühlen Umgebung des Studios unbestechliche Mikrophone, die jeden noch so kleinen Ausrutscher gnadenlos registrieren. ohne die vom Publikum ausgehende Stimulation, meist Aufregung und Angespanntsein, dort begeisterte Tänzer auf dem Tanzboden die mit Partner und Tanzschritten beschäftigt sind und weniger auf einzelne Töne achten. Was der Tönträger vermitteln kann ist lediglich das akustische Ergebnis. Bei noch so perfekter Studioaufzeichnung und Wiedergabe kann die komplexe Live-Situation mit der dazu- gehörenden lockeren Stimmung in einem Wirtshaus, nur annähernd vermittelt werden, wohl aber bei öfteren Abhören die an den gleichen Stellen stets wiederkehrenden musikalischen "Schwächen", die jedoch bei normalem Gebrauch, nach dem volksmusikalischem Gesetz des "unsauberen Spiels" (s. Felix Hoerburger: "Musical vulgaris"), nicht oder nur geringfügig ins Gewicht fallen. Musikalische "Rasse", die Fähigkeit mitzureißen und zum Mitmachen in Form von Mitsingen, Mittanzen oder Mitmusizieren zu animieren sind weit- aus näherstehende Qualitäten, wohlgemerkt in der Volksmusik.
Dem fachkundigen Tonmeister van Colosseum, Peter Collmann, ist es jedoch trotz der Diskrepanz zwischen Live - und Studiosituation gelungen, eine glückliche Verbindung zwischon der freien, unbekümmerten Spielart der Tanngrindler und dem Anspruch technisch optimaler Wiedergabe Zu schaffen.
So ist mit der neuen CD der Tanngrindler Musikanten, ,'s Gsodloch'' wieder einmal eine interessante und wertvolle Dokumentation Oberpfälzer Wirtshaus - und Tanzbodenmusik entstanden, deren Besonderheit in der Auswahl bodenständiger und ausklingender, auch dem heutigen Geschmack entsprechender Volksmusikstücke liegt. Die Musizierform der Tanngrindler steht sicherlich stark in der Tradition ihrer Hemauer Vorgängerkapellen wie "Binner'' oder, "Dürre''. Sie beinhaltet aber auch zeitgemäße Weiterentwicklungen wie die generelle Zweistimmigkeit in der Melodie und die gesangliche Nebenmelodie im Tenorhorn, die als volksmusikalische Kunstform über die Spielweise der alten Kapellen hinausgeht wo dieses Instrument im wesentlichen die 1. Stimme verstärkte.
Gegenwärtig gelten die Tanngrindler Musikanten als ein Geheimtip für lebendige. authentische Oberpfälzer Volksmusik und werden von vielen Liebhabern und Verehrern geschätzt.
In bestimmten renomierten Gasthäusern, die auf regionaltypische und ordinäre Ausstattung und Atmosphäre besonders achten, wie beim Röhrl in Eilsbrunn, beim Winkler in Lengenfeld oder beim Deglbauer in Hemau auf dem Tanzboden, bei offiziellen und privaten Veranstaltungen sind die begeisterten Volksmusikfreunde das ganze Jahr aber zu hören, schaffen trotz Anonymität unserer Gesellschaft stets künftige, gemütliche und gesellige Gemeinschaften und bringen so überall Freude in den grauen Alltag.
Daß dies auch der vorliegenden CD überzeugend gelingt, wünsche ich ihr und den Tanngrindler Musikanten aufrichtig.
Dr. Adolf J. Eichenseer
Bezirksheimatpfleger der Oberplalz a.D.

 

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